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Endlich! Aus der Ferne hören wir den Startschuss.
Die dritte Welle rollt an. Natürlich erst einmal im
Gänsemarsch, wie wir es von jedem Lauf gewohnt sind.
Wir nutzen den Trippelschritt, um die überflüssige
Kleidung abzulegen und an den Rand zu werfen. Dann
verlassen wir unseren Corral und biegen langsam auf
die Straße, die zur
Verrazano Bridge führt. Langsam
werden die Schritte schneller und dann haben wir
endlich den Start passiert! Vergessen sind die
Strapazen, die in den Stunden zuvor ertragen werden
mussten. Die lange Fahrt mit dem Bus in aller
Herrgottsfrühe quer durch
Manhattan. Die Ankunft im
Startfeld: schon hell, aber die Sonne noch nicht zu
sehen; Temperaturen um drei Grad; ein kalter Wind,
der heftig zieht. Wir suchen uns ein Plätzchen auf
dem ebenen Boden in der Nähe einer Plane, die ein
bisschen vor dem Wind schützt. Dann suchen wir das
Frühstück.
Bagel, die so trocken sind, dass sie
unendlich viel Spucke zum Schlucken verbrauchen. Den
Kaffee erwähne ich lieber nicht. Über die Toiletten
schweige ich. Und dann das lange Warten, vor sich
hindösen, als die Sonne endlich aufgeht und ein
bisschen wärmt, die Anspannung der anderen spüren,
reden und eben warten. Warten bis zum Start.
Aber jetzt sind wir auf der Brücke! Es ist ein
herrliches Gefühl: so weit du sehen kannst, nach
vorn und nach hinten, auch unten auf der
zweistöckigen Brücke, sind Menschen, die mit dir
laufen – und trotz der Massen ist immer genug Platz.
Links können wir von fern schon Manhattan sehen. Die
Brücke ist sehr lang und ganz schön steil. Dann
erreichen wir den Boden von
Brooklyn – und eine ganz
andere Stimmung. Denn jetzt stehen die Massen an den
Rändern der Strecke und feuern uns an. Bands stehen
am Straßenrand, überall Polizisten, Menschen in
allen Farben. Ein herrliches Gefühl, hier zu laufen!
Und dann, als wir über die nächste Brücke laufen,
sind sie neben uns, die vielen Wolkenkratzer!
Und beim Laufen finden die Gedanken zurück an die
Tage vorher, an das, was in der Dichte dieser paar
Tage schon alles geschehen ist. Die lange Anreise,
der unfreundliche Zoll, die ewige Busfahrt vom
Flugplatz bis mitten ins Herz von Manhattan zu
unserem Hotel. Das lustige Zimmer, in dem das Sofa
erst einmal zum Bett umgebaut werden muss. Mein
Hunger und mein Glück, gleich neben dem Hotel einen
Diner zu finden. Der erste Hamburger in New York!
Die anderen haben nicht so viel Glück: nach dem
atemberaubenden Blick vom
Rockefeller Center
begnügen sie sich mit einem Imbiss-Italiener. Ich
denke an die Hotelbar und die Livemusik, an das
Bier, an das man sich gewöhnen kann, an das schmale
Bett, das ich mir mit Peter teile, an das Frühstück
im Diner nebenan. Gedanken an den Donnerstag kommen
zurück, wie wir zu fünft halb Manhattan zu Fuß
erkundet haben, sogar ein Stück mit der U-Bahn
gefahren sind, um dann über die
Brooklyn Bridge mit
einem herrlichen Blick auf die Skyline nach
Manhattan zu laufen. Ich erinnere mich an das
Abendessen im Stardust mit den singenden Kellnern
und Kellnerinnen. So viel geht mir durch den Kopf:
der gemeinsame Gang zur Marathonmesse und wie
problemlos wir unsere Startunterlagen bekamen. Dann,
nach der Messe die Suche nach Besenstielen für
unsere Fahne, zunächst im Gartencenter, aber da
waren die Stangen nicht „long“ genug, doch dann wird
unser Häuptling in einem Metallwarenladen fündig.
Ich denke an die Schifffahrt auf dem
Hudson und dem
East River, vorbei an der
Freiheitsstatue. Oder an
die lange Busfahrt an allen Sehenswürdigkeiten von
Manhattan vorbei. Oder vorher an das gemütliche
Frühstück mit den Frauen, die nicht am Friedenslauf
teilnehmen wollten. |
Ich
bin mit den Gedanken wieder auf der Strecke. Schon
haben wir den Halbmarathon geschafft. Als wir
unseren Fotografen sehen, rufen und winken wir schon
von weitem und versuchen, so frisch wie möglich
auszusehen. Unsere Stimmung bleibt auf dem
Höhepunkt, vor allem, weil auch uns immer wieder
wildfremde Amerikaner zujubeln und uns bei unserem
Namen rufen: „Aschbach!“ Die Straßen sind meistens
kerzengerade, aber immer wieder gibt’s Steigungen.
Und jede Meile gibt es Wasser zu trinken – leider
nichts zu essen, also muss auch ich dieses
scheußliche Powergel in mich hineinzwingen.
Irgendwann haben wir dann den Heiko verloren. Der
Gerd schimpft ständig über unser schnelles Tempo,
hält aber trotzdem mit, obwohl er mindestens zweimal
auf einem Klohäuschen verschwindet. Dann endlich
sehen wir unseren Fanclub aus der Heimat und wiegen
uns im Beifall.
Zeit wieder, an die Tage zurückzudenken. An die
Aufregung vor dem Start. Das große Essen im Zelt im
Central Park. Unsere Einkaufstouren. Das Essen beim
Asiaten am Halloween-Abend. Whisky im
Hard Rock
Café. Der Kopf schwirrt vor lauter Erinnerungen.
Inzwischen haben wir auch die
Bronx durchlaufen und
biegen nach
Harlem ein. Langsam fühlt sich der Boden
an, als sei der Teer weichgeschmolzen wie ein Teig –
oder sind es die Füße, die langsam schwer werden?
Die Strecke entlang des
Central Park wird schwer –
immer geradeaus, kein Ende in Sicht. Dann endlich
biegen wir in den Central Park ein, inzwischen haben
wir auch den Gerd verloren. Wir denken, er ist
hinter uns, dabei läuft er uns vorne davon. Und
dann: das Ziel in Sicht! Der letzte heftige Anstieg,
überraschend gut bezwungen – und dann eingekeilt in
den Massen, die übers Ziel gekommen sind! Geschafft!
Ein Held! Ich! Da zählen die nächsten Viertelstunden
nicht, das langsame, immer mühsamere Marschieren bis
zum Gepäckwagen, das Umziehen in der freien Kälte,
das Suchen nach dem Fanclub, der lange Weg zurück
ins Hotel. Hauptsache: Geschafft! Wir sind die
Helden! Stolz tragen wir die Medaillen um den Hals
und genießen das Bad in der Menge.
Und was war sonst noch? Das gemeinsame Essen im
Diner, weil wir zu erledigt waren, ein Steakhaus zu
suchen. Am nächsten Morgen noch ein paar Ecken von
Manhattan kennenlernen. Das Mannschaftsfoto auf dem
Broadway und das Aufsehen, das wir dabei erregen.
Dann schon der Rückflug und Peter, der sich bestens
mit der Stewardess unterhält, während ich
viertelstündlich eine neue Position für meine
kaputten Beine suche. Und dann der Empfang daheim:
die Kirchenglocken läuten, Böller schießen in den
Himmel und die Daheimgebliebenen empfangen uns mit
Sekt.
New York war eine Reise wert!
Platzierungen und Zeiten:
Ergebnisse Wettkämpfe 2008

Streckenplan:
Download als PDF-Dokument
Links:
www.ingnycmarathon.org
de.wikipedia.org/wiki/New-York-City-Marathon
de.wikipedia.org/wiki/Marathonlauf |